Zum 14. Gambrinus-Forum lud die TU Dortmund auch in diesem Jahr wieder unterstützt durch die Sozietät Niebaum Rechtsanwälte in das Harenberg City-Center. Gestern (2. November) stehen zwei Vorträge auf dem Programm. Zunächst referierte Prof. Benoit Montreuil zu dem Thema „Toward a Physical Internet, Aiming for a Human Web“. Zweite Rednerin des Abends war Carol Kahn Strauss, Geschäftsführende Direktorin des New Yorker Leo Baeck Institutes in New York. Ihr Vortrag „Alte Heimat-Neue Perspektive“ beleuchtete das Verhältnis von Deutschen und Juden im transatlantischen Kontext.
Prof. Ursula Gather, Carol Kahn Strauss, Prof. Walter Grünzweig, Prof. Benoit Montreuilm, Prof. Michael ten Hompel und Dr. Gerd Niebaum (v.l.) beim Gambrinus-Forum.
Die Direktorin des Leo Baeck Institutes, New York, Carol Kahn Strauss ist Tochter von jüdischen Emigranten, die vor der Nazi-Diktatur aus Dortmund fliehen mussten. 1955 wurde das Institute in New York gegründet, es existieren Zweigstellen in Jerusalem und London. Ziel des Institutes ist es, wissenschaftliche Forschung zur Geschichte der Juden im deutschsprachigen Raum seit der Zeit der Aufklärung zu betreiben. Es besitzt zu diesem Themengebiet die umfassendste Sammlung von Materialien: etwa eine Million Dokumente, Gemeindeakten, persönliche Unterlagen, Briefwechsel und unzählige Fotos. Der Schwerpunkt liegt zwar auf dem 19ten und 20ten Jahrhundert, die Dokumente reichen jedoch auch bis ins Mittelalter zurück.
Carol Kahn Strauss studierte Internationale Beziehungen und Politik am Hunter College und an der Columbia University in New York. Seit 1994 ist sie geschäftsführende Direktorin des Leo Baeck Instituts. Im Juni 2005 erhielt sie aus der Hand des damaligen Außenministers Joschka Fischer das Bundesverdienstkreuz.
Prof. Benoit Montreuil ist Professor am Research Center on Enterprise Networks, Logistic and Transportation der Université Laval, Canada. Er studierte Industrial Engineering an der Universität Québec und promovierte 1982 am Georgia Institute of Technology, die als eine der besten Hochschulen für Ingenieurwissenschaften in der Welt gilt. Seit 1988 ist er Professor für „Operations and Decisions systems” an der Université Laval in Quebec City, Canada. In dieser Funktion leitet er zwei Lehrstühle: den “Canada Research Chair in Enterprise Engineering” und den “NSERC-Bell-Cisco Business Design Research Chair”. Zusätzlich ist er Gründungsmitglied von CIRRELT, einem interdisziplinären Forschungszentrums für Unternehmensnetzwerke und Logistik. Interuniversity Research Centre on Enterprise Networks, Logistics and Transportation. Sein Hauptforschungsinteresse liegt in der konzeptionellen, methodologischen und technologischen Entwicklung von Netzwerken und Wertschöpfungsketten für die „New Economy“.
Bereits seit 1994 unterstützt die Stiftung „Dortmunder Gambrinus Fellowships“ den wissenschaftlichen Austausch an der TU Dortmund. Gegründet wurde die Stiftung aus Anlass des 700-jährigen Braurechts. Nachdem sie ab 2002 von Borussia Dortmund und der Firma MiroRadici AG, einem internationalen Konzern der Textilindustrie, gefördert wurde, wird sie jetzt von der Sozietät Niebaum Rechstanwälte finanziell unterstützt.
Seit Einrichtung der Stiftung konnte der Aufenthalt von bereits mehr als 70 Gastwissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Ländern ermöglicht werden. In den meisten Fällen haben sich daraus nachhaltige Kooperationen der Wissenschaftler untereinander aber auch Austauschprojekte für Studierende entwickelt.
Zu den bisherigen herausragenden Referenten des Gambrinus-Forums gehörten u. a. Senator George McGovern, der Dirigent und Komponist Prof. Joshua Rifkin, der Historiker Prof. Martin Ostwald, der der Soziologe und „Fußballexperte“ Prof. Andrei Markovits sowie der Journalist und Schriftsteller Conrad Seidl.